e-mobility – meine Erfahrungen mit Wallbox

Da ich aus beruflichen Gründen demnächst reine Elektroautos ohne Verbrennungsmotor fahre(n) (muss),  benötige ich an meinem Haus eine „Wallbox“ zum Laden der bis zu 100 KWh grossen Batterien. Aktuell können viele E-Fzge aufgrund der autointernen  verbauten Ladesteuerung nur mit max  7-11 KW  geladen werden. Es gibt aber immer mehr Fahrzeuge , die 22KW und mehr Ladeleistung , d.h. deutlich kürzere Ladezeiten , können. Mit einer 220V Haushaltleitung (2,3KW) dauert das 100%-Laden einer „400km“ Batterie über 24 h und ist in älteren Häusern  „brandgefährlich“ !

Da die Infrastruktur an öffentlichen Ladesäulen und deren Bezahlsysteme aber immer noch katastrophal ist, setzt die Politik jetzt auch auf private Lademöglichkeiten.

Hier beginnt jetzt mein privater Hürdenlauf durch die Callcenter von Netzbetreiber, Stromanbieter und Wallboxhersteller. Ich habe mir min.  2 h GEMA-freie Music am Telefon anhören dürfen……

Beginnen muss man bei seinem Netzbetreiber – nein , das ist nicht der Stromanbieter: mein Stromanbieter ist Innogy, aber der Netzbetreiber in Meppen ist die „Westnetz AG“ in Bad Bentheim.  Der Netzbetreiber muss eine Anlage über 30 KW genehmigen, denn meine 22KW Wallbox wird zu einem 13,5 KW Anschluss eines Einfamilienhauses addiert (= 35,5 KW) .

Dann dort einen Bauantrag stellen und für eine bei mir schon 25 Jahre liegende Stromleitung, die anscheinend auch ohne Umbau ausreicht, nochmals 117,31€ BKZ (=Baukostenzuschuss) zahlen. Umbauen muss ich die Hausinstallation (evtl. incl. einem neuen zusätzlichen Zähler) für den Anschluss der Wallbox.

Dazu am Telefon einen Verweis auf die Besonderheiten von Stromlieferungen für Wärmepumpen und e-mobilität:

 „wir wissen, wo in unserem Netz Ladeeinrichtungen mit hoher Leistungsaufnahme angeschlossen sind und können diese im Bedarfsfall netzdienlich steuern“. Dazu ist von der Politik in 2017 extra ein neuer Paragraph §14 EnWG gemacht worden, so dass man den Ladestrom nur in Zeitfenster zugeteilt bekommt  ….  danach wird diese Ladestation komplett abgeschaltet !

Originaltext der Westnetz AG :

„§ 14a EnWG besagt, dass wir die Zeiten, in denen Sie Strom laden können, netzdienlich steuern dürfen.

Aktuell bieten wir drei Zeitblöcke zum Laden eines Elektromobiles an:

15.45 Uhr – 16.30 Uhr und 19.30 Uhr – 07.30 Uhr am Folgetag

16.00 Uhr – 16.45 Uhr und 19.45 Uhr – 07.45 Uhr am Folgetag

16.15 Uhr – 17.00 Uhr und 20.00 Uhr – 08.00 Uhr am Folgetag

Wir arbeiten aber bereits daran, die Ladezeiten noch flexibler zu gestalten.“

Daraufhin ein Anruf beim Stromanbieter Innogy , ob es bei Erhöhung des Hausverbrauches und der §14 „Fensterregel“ auch einen günstigeren Strom-Tarif für e-mobilität gibt….. jetzt nein – aber :

In Zukunft könnte es Sondertarife geben, die eines speziellen intelligenten Zusatzzählers bedürfen, der natürlich wieder Gebühren kostet : „für den Betrieb der Ladeeinrichtung mit netzdienlicher Steuerung im Sinne des § 14a EnWG benötigt man ein sogenanntes intelligentes Messsystem (iMSys). Die Kosten für dieses System betragen pro Jahr maximal 100,00 € (brutto)“ . Tarife bietet Innogy aber noch nicht an und mit der Abschaltung hat Innogy nichts zu tun – Sache von Westnetz AG.

Mit den Wallbox-Herstellern bin ich noch in Verhandlung, warte aber noch die jetzt von der Bundesregierung für Juli 2019 angekündigte Fördertöpfe für private Ladestationen ab. Auch bzgl. Förderung gibt es je nach Stadt, Land und Stromanbieter völlig unterschiedliche Regeln….. aber hierzu muss ich dann wieder  sehr lange GEMA-freie Musik anhören .

Fazit:

Tolle E-Mobilität  ….. sehr hohe Kosten und um meine Jobs in Stuttgart zu erledigen, benötige ich dann eine 2 Tage längere Fahrtzeiten.

Mit meinem Diesel komme ich bisher noch in 5-6 h sicher dorthin…. aber muss evtl. bald vor Stuttgart wegen Dieselfahrverbote parken und mein Gepäck irgendwie weitertransportieren.

Zum ersten mal in meinem Leben bringt der hier der politisch erzwungene  „Fortschritt e-mobilty“ in der Praxis einen sehr grossen Rückschritt.

Meppen , 03.04.2019

Bernd Ramler